Der Workshop 2006 ist leider schon wieder vorbei. Doch er war so erfolgreich das auch die Presse davon berichtete. HIER der Link zur Ankündigung.

"Pferdeflüsterer" in der Eifel

VON IRENE LANGE, 12.08.06, 07:06h
GOLBACH. Schon als sechsjähriges Kind entdeckte Simone Artar ihre Liebe zu Pferden und lernte schon früh reiten. Auch ein schlimmer Reitunfall konnte diese Leidenschaft nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil, dieses Ereignis bewirkte, dass sie sich noch intensiver mit der Verhaltensweise dieser Tiere beschäftigte, indem sie sie beobachtete und die „Pferdesprache“ lernte.

Ihre Leidenschaft machte sie zu ihrem Beruf. Sie gründete „Riders Way Out“, trainiert seither Reitanfänger und Fortgeschrittene und setzt sich für eine „pferdegerechtere Welt“ ein. „Die Menschen kennen die Pferdesprache nicht wirklich“, sagt Simone Artar. Sie versuche, sie ihnen beizubringen, was auch meistens gut funktioniere. Pferde lebten in einer Hierarchie und möchten geführt werden. Sie sei für sie die „Leitstute“.

Als Kind habe sie nach herkömmlicher Weise reiten gelernt, Gerte und Sporen benutzt und versucht, sich diese Riesentiere zu Untertanen zu machen und ihren Willen zu brechen. Nach ihrem Reitunfall begann sie grundlegend umzudenken. Heute setze sie alles daran, mit diesen herrlichen Geschöpfen in Harmonie zu leben und ließe sich schon lange nicht mehr auf Machtkämpfe mit ihnen ein. Diese Haltung versuche sie auch ihren Schülern zu vermitteln.

Durch die liebevolle Art, wie Simone Artar mit den Tieren umgeht, zeigen diese ihr Vertrauen, aber auch durchaus Selbstbewusstsein und eigenen Willen. Alle führen ein artgerechtes Leben als Herdentiere und vertragen sich untereinander. Auch dem Dalmatiner Sam gegenüber, der Simone Artar stets begleitet, zeigen sie keine Scheu.

Heute zieht Artar die sanftere und kooperative Art des Westernreitens vor. Noch immer reitet sie ihr erstes eigenes Pferd, den Araber-Mix „Santana“, der mittlerweile zwölf Jahre alt ist. Inzwischen sind eigene und von ihr betreute Tiere - insgesamt zehn und ein Esel namens „Blümi“ - dazugekommen, die alle auf dem Meisenhof von Barbara Boisserée untergebracht sind und von ihr versorgt werden.

Viele Tiere kamen verstört und als Problemfälle zu ihr. „Erst einmal habe ich alle ,Hau-dich-blau-Gegenstände abgeschafft“, erklärt Artar. Dann habe sie sich mit dem Pferd auseinander gesetzt und dessen Verhalten genau beobachtet. Am besten sei das möglich beim Longieren. In Bewegung, Kopf- und Körperhaltung oder Gestik sei vieles zu erkennen.

Ihre Kenntnisse in der „Pferdesprache“ habe sie meist durch eigene Beobachtungen oder Erfahrungen erworben, jedoch auch aus Büchern berühmter „Pferdeflüsterer“ wie Monty Roberts. Via Internet tauschte sie mit anderen Pferdekennern Erfahrungen aus und stieß dabei auf eine Amerikanerin namens Janice Terra, die seit über 30 Jahren nach dem „Horsemanship“-Prinzip im Stil des berühmten Pferdeflüsterers Roberts arbeitet.

Am 30. September ist Terra zu Gast bei Riders Way Out und hält auf dem Meisenhof in Frohnrath unter dem Motto „Pferdeflüstern für Jedermann“ einen Workshop ab. Ebenso wird am 19. September ein Kurs für Osteopathie und Akupunktur speziell für Pferde durch Claudia Rothe aus Senscheid angeboten.

Anmeldungen für beide Veranstaltungen oder für Wanderritte unter Telefon (0 24 41) 77 76 76 oder (01 75) 5 98 71 60 bei Simone Artar.

 

Nach dem Workshop erschien folgender Bericht in der Kölnischen Rundschau:


Das Herz als das Maß aller Dinge

VON GUDRUN KLINKHAMMER, 03.10.06, 07:06h
Mit gespitzten Ohren standen sie da. Nicht die Vier-, sondern die Zweibeiner. Auf Einladung von „Rider's Way Out“-Betreiberin Simone „Mone“ Artar war eine international bekannte Dame nach Fronrath gereist, die sich als Pferdeflüsterin, Fachjournalistin und Reitlehrerin einen Namen gemacht hat: Janice Terra aus Houston in Texas.

FRONRATH. Auf dem Meisenhof von Barbara Boisserée gab die erfahrene Reiterin und Pferdepsychologin Tipps für den Umgang zwischen Mensch und Tier. Pferdehalter aus der Eifel und dem Großraum Aachen und Köln waren mit 16 Pferden in Frohnrath erschienen.

Zunächst rückte Janice Terra einen gängigen Begriff gerade, nämlich „Pferdeflüsterer“. Dieser stehe eigentlich nicht dafür, dass der Mensch das Tier pausenlos „beflüstert“. Im Gegenteil. Der Mensch, so Terra, soll dem Tier an erster Stelle zuhören, es beobachten und achten. Der Begriff Pferdeflüsterer stehe eher symbolisch für einen lieben und zarten Umgang.

Nicht gewünscht sei diktatorisches und lautes Gehabe. „Lernen die Menschen, auf die Pferde zu achten, lernen sie meistens auch, auf sich selbst untereinander besser einzugehen und im Endeffekt, sich selber besser zu verstehen.“ Als Grundlage der Kommunikation nannte Terra das Herz als Maß aller Dinge und nicht den Kopf: „Hier geht es darum, mit Pferden zu leben und zu arbeiten und nicht gegen sie.“

Zur sparsamen Kommunikation kommt die Körpersprache bei Mone Artar und Janice Terra hinzu. Beide zeigten sich verblüfft darüber, wie sehr sie übereinstimmen, was den Umgang mit Pferden angeht. Zum einen mit den Gedanken und zum anderen mit dem Körper funktioniert das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier. „Oft sind es nicht die Vierbeiner, die für Missverständnisse verantwortlich sind, meist sind es die Zweibeiner, die ihre Vorgehensweise überdenken sollten.“

Das, was Goethe einst über Menschen gesagt habe, gelte für Pferde, berichtet Terra: „Behandle einen Menschen, wie er ist, und er bleibt, wie er ist. Behandle einen Menschen, wie er sein könnte, und er wird werden, wie er sein kann.“ Zu 90 Prozent stimme dieser Grundsatz. Hinderungsgrund könne allerdings sein, dass Mensch oder Pferd gar keine Entwicklung wollten. Artar betonte, dass Janice Terra immer so an die Pferde herantrete, als seien diese in ihrer Entwicklung bereits vollkommen. Zudem konzentriere sie sich nicht auf die Schwächen, sondern immer auf die Stärken ihres Gegenübers. Ihren kultivierten, „demokratischen“ Umgang mit den Pferden bewies Janice Terra im Longierring, in dem ihr die Pferde folgten. „Richtig ist eben richtig“, beschreibt die „Pferdezuhörerin“ ihren und den Weg gleichgesinnter Fachleute.

Wenn der Satz gelte, „My horse is my heart“ (Mein Pferd ist mein Herz), dann gebe es keinerlei Alternativen als den „soft and gentle way“, den ruhigen Weg eines Pferdeflüsterers. Aufgrund der ausgezeichneten Verständigung, die in Frohnrath herrschte - nicht nur zwischen Mensch und Tier, sondern auch zwischen den Menschen - planen Mone Artar, Janice Terra und Barbara Boisserée ein „Janice-Terra-Learning-Center“ auf dem Meisenhof in Fronrath. Zwei Mal pro Jahr möchte die Amerikanerin Houston in Richtung Eifel verlassen, um hier ihr Wissen weiterzugeben.

Quelle: Kölnische Rundschau

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